Stand 11.05.2015

….....und plötzlich sind sie fort!

Ostern war - zumindest für mich – dieses Jahr nicht nur Freude, dies „ER ist wahrhaftig auferstanden". An Karfreitag – ausgerechnet! - berichteten mir die Nachbarn im Haus am Wellkamp 6 von der heimlichen nächtlichen Abreise der Familie Osmani. Es mussten dann auch einige Tage vergehen, bis ich realisierte, dass Jasmina und Bajram mit Elvis, Muharem, Elmedina und Elma wirklich weg sind, verschwunden, untergetaucht eben. Ich habe inzwischen mit vielen Menschen darüber diskutiert, wir haben die unterschiedlichsten Vermutungen geäußert, viele Szenarien durchgesprochen. Für mich bleibt als Ergebnis, dass meine – oder unsere gesellschaftlichen Vorstellungen von Sicherheit und Zukunft nicht mit den Wünschen aller anderen Menschen übereinstimmen müssen, die aus anderen Ländern zu uns kommen. Wahrscheinlich gibt es so viele Varianten dieser Lebenswünsche, wie es auch unterschiedliche Menschen gibt. Es tut mir allerdings leid wegen der Kinder, die hier so gut angekommen waren. - Was aber auch wieder mein Maßstab ist. Aber ich empfinde es trotzdem als Verlust.
Nur einige Tage später war dann große Aufregung: Das tschetschenische Ehepaar Malina Dataeva und Rizan Izayev ist mit 8 Kindern beim Ausländeramt in Nordhorn aufgetaucht und dann hierher geschickt worden, da sie vor etwa 2 Jahren schon einmal kurz am Wellkamp lebten, da aber noch mit 7 Kindern. Und jetzt sind es neun Kinder, am 6. Mai wurde Ismail Izayev Dataev im Klinikum in Nordhorn geboren, 48 cm, 2700 g (ungefähr). Mutter und Kind sind wieder wohlauf und werden in einigen Tagen zum Wellkamp zurückkehren, um dort ihre Ausweisung nach Polen abzuwarten. In der „Wartezeit" gehen die fünf Ältesten hier zur Schule und nehmen dort am Deutschunterricht teil. Mehr wäre in diesem Fall auch eine Überforderung der Kinder – wie auch der Lehrer. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen und bruchstückhaft in Französisch, Deutsch und Italienisch. Bei Arztbesuchen konnte ich sehr erfreut die Unterstützung von Ardilan Othman, erbitten; der älteste Sohn der früher hier lebenden syrischen Flüchtlingsfamilie hat in Moskau Informatik studiert und spricht gut russisch.
Es wird für mich immer belastender, hier nur „Nothilfe auf Zeit" geben zu können. Der größte Anteil der jetzt hier in Gildehaus und Bentheim lebenden Flüchtlingsfamilien wird keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, da sie aus sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten" Osteuropas kommen. Und solange die Roma in diesen „sicheren Herkunftsstaaten" weiter diskriminiert werden und keine Lebensperspektiven sehen, werden sie immer wieder in westeuropäischen Staaten ihr „Glück suchen".
In den sechziger Jahren kamen die ersten italienischen Gastarbeiter nach Deutschland, sie haben unser „Wirtschaftswunder" mit gestaltet. Ich finde, es ist an der Zeit, legale Zuwanderung in die Europäische Union zu ermöglichen, damit sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge" kein Geld für „Schlepper" verschwenden müssen, sondern mit einem kleinen Startkapital einreisen können, um sich Arbeit zu suchen. Armut ist kein Asylgrund – aber war immer ein Grund für Auswanderung und Zuwanderung.
Jutta Külkens

Monatsspruch

Juni
Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(1.Kön 8,39)
jahreslosung

Information

Die Gruppen und Kreise so wie auch die Einrichtungen sind für die Richtigkeit ihrer Informationen selbst verantwortlich.
Der Admin
/* */